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Das Kunsthaus ist ein außergewöhnliches Museum für moderne Kunst. Sein Gebäude ist nicht als Museum errichtet worden, sondern als Klosteranlage. Und dieses Kloster war auch ein besonderes, denn die Abtei zeigte seltene Reliquien des christlichen Erlösers. Die Äbte konzipierten daher die gesamten Gebäude als eine Architektur des Zeigens. So setzt das heutige Museum dieses Konzept des Zeigens fort.

Mit der jetzigen Ausstellung werden weitere historisch bedeutenden Räume der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Der Besucher kann nun endlich in einem ununterbrochenen Rundgang durch die Residenz des Abts und durch den nördlichen Seitenflügel flanieren. Dabei gelangt er in den erstmalig zugänglichen Friedenssaal mit einer prächtigen Stuck- und Malereiausstattung.

Im Friedenssaal ist das Ausstellungskapitel der Entstehungsgeschichte des barocken Neubaus von 1721 gewidmet. Bauherr war der ehrgeizige Abt Hyazinth Alfons Graf von Suys, der aus einer einflussreichen belgischen Adelsfamilie stammte. Das Jahr 1721 wurde zur Fertigstellung des ersten Bauabschnitts in einem Intarsienboden festgehalten. 1728 wurde das letzte Deckenbild im Friedenssaal gemalt, es spielt auf eine Friedenskonferenz an, die damals in Aachen hätte stattfinden sollen. Die Ausstattung der Residenz war prächtig, eigentlich zu prächtig für einen Abt. Aber Suys berief sich auf die verlorene Würde eines Fürsten, welche die Äbte im Mittelalter inne gehabt hatten – und darauf, Hüter eines Reliquien-Schatzes Karls des Großen zu sein.

Tatsächlich ließen die Äbte im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach Karl als Klostergründer darstellen und nicht seinen Sohn Ludwig den Frommen, den urkundlich verbrieften Stifter. Ein kürzlich erst wiederentdecktes Gemälde zeigt Karl mit dem Modell der Abteikirche.

Die Äbte ließen eine Loge in der Kirche einrichten, von der aus gutzahlende Spender außerhalb der Heiligtumsfahrten die Jesus-Reliquien gezeigt bekamen. Die Forschungen zu dieser Liturgie des Zeigens werden im folgenden Raum vorgestellt. Dort ist auch jene Holztruhe als Leihgabe der Propsteigemeinde Kornelimünster zu sehen, in der bis 1900 das Grabtuch, Schweißtuch und Schürztuch Jesu aufbewahrt wurden. Eine dendrologische Untersuchung hat ergeben, dass sie aus der Zeit um 1076 stammt und damit die älteste erhaltene Stollentruhe in Deutschland ist.

Wie bereits 2019 stellt eine Gruppe Studierender des  Lehrstuhls für Architekturgeschichte der RWTH Aachen unter Leitung von Bruno Schindler ihre Forschungsergebnisse vor. Anhand von Modellen und Plänen dokumentieren und analysieren sie die erhaltene Bausubstanz. Ein Fokus der Untersuchungen liegt dabei auf dem Zeremoniell zum Empfang adeliger Pilger, für das die repräsentative Architektur den Rahmen bot.

Für den zweiten Teil der Ausstellung loten KünstlerInnen aus NRW die Strategien von Inszenierungen im Bereich der Gegenwartskunst aus. Um wertvolle Objekte besonders zur Geltung zu bringen, wurden sie von jeher erhöht auf Podesten oder in Vitrinen in Szene gesetzt, in Sichtachsen choreografiert und kunstvoll beleuchtet. Diese Prinzipien aus der sakralen und höfischen Inszenierung wurden für die Präsentation von Kunst in Museen übernommen.

KünstlerInnen
Natascha BorowskyVolker HermesLyoudmila MilanovaThomas Musehold, sowie eine Performance von Evamaria Schaller

Kuratiert in Zusammenarbeit von Dr. Marcel Schumacher, Elke Kania und dem Lehrstuhl für Architekturgeschichte der RWTH Aachen unter Leitung von Bruno Schindler, Tobias Glitsch und Yannick Ley. Mit freundlichem Dank an die Propsteigemeinde St. Kornelius und den Korneliusverein.

Laufzeit
03.06.2021 – 12.09.2021

inszenierungen des zeigens

Natascha Borowsky

inszenierungen des zeigens

Volker Hermes

inszenierungen des zeigens

Lyoudmila Milanova

inszenierungen des zeigens

Thomas Musehold

inszenierungen des zeigens

Performance – Evamaria Schaller

Bauforschung und Architekturgeschichte

inszenierungen des zeigens