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*1972 in Wegberg
lebt und arbeitet in Düsseldorf

In den historischen Themenräumen »Politik / Liturgie des Zeigens« bildet die Intervention von Volker Hermes eine Brücke zwischen der Repräsentanz von historischen Inszenierungen und zeitgenössischer Kunst. In seiner langjährigen Serie der Hidden Portraits schafft Hermes Adaptionen von historischen Porträts der Malerei oder Bildhauerei. Durch digitale Bildbearbeitung setzt er gezielte Eingriffe: Kopfschmuck, absurde Masken und getürmte Stoffe wuchern über die Gesichter der porträtierten Personen. In seiner Intervention für die Ausstellung schuf Hermes eigens vier neue Arbeiten, die sich mit der selbstgefälligen Macht des Klerus, der koketten Kostümierung einer reichen Adligen als Pilgerin oder prächtigen Kopfreliquiaren auseinandersetzen. Akzentuiert und humorvoll entlarvt Hermes Moral und Weltsicht des Barock.

Im ersten Raum, dem sogenannten Friedenssaal, zum Thema »Politik des Zeigens« präsentiert sich als Supraporte die Arbeit Hidden Rigaud. Der dargestellte französische Kardinal Guillaume Dubois war ein bis zur Skrupellosigkeit machtbesessener Geistlicher. Er bekleidete allerhöchste Staatsämter. Nachdem er 1721 – just im Jahr der Grundsteinlegung zur barocken Umgestaltung der Reichsabtei – zum Kardinal ernannt wurde, gab er sein Bildnis beim unumstrittenen, berühmten und mit Abstand teuersten Porträtmaler der Zeit, Hyacinthe Rigaud, in Auftrag. Fertiggestellt wurde das Ölgemälde 1723. In der Bearbeitung durch Volker Hermes erscheint Kardinal Dubois gleichsam in sein üppig wallendes Kardinalsgewand eingewickelt, als Gipfel der Koketterie blitzt sein Hermelin nur noch als Untergewand hervor. Verschnürt wurde die Draperie mit den Kordeln der Kardinalssiegel, Zeichen seiner Macht. In der Hand hält er einen Brief, adressiert an den König.

Durch die Tür gelangt man in den Themenraum »Liturgie des Zeigens« mit der Arbeit Hidden Vigée, dem Porträt einer Frau als Pilgerin nach einem Gemälde von Joseph Vigée aus dem Jahr 1745. Die Identität der Dargestellten ist nicht eindeutig geklärt, eine frühere Identifizierung als Madame Pompadour wurde aufgrund der falschen Augenfarbe verworfen. Sicher ist nur, dass es sich bei der Porträtierten um eine Dame von Rang handelt. Davon zeugen der Perlenschmuck und die Kostbarkeit der Stoffe im Stil des Barock. Es handelt sich nicht um die Darstellung einer tatsächlich pilgernden Frau, sondern um einen Typus, eine Art Kostüm. Diese Typisierung ermöglichte die Kombination von Attributen des Pilgerns mit jenen des Wohlstandes. Diese Attribute wurden von Volker Hermes vervielfacht und zugespitzt, so dass die Individualität hinter den Zeichen des Rangs bzw. der inszenierten Religiosität verschwindet.

Daneben finden sich die beiden Arbeiten Hidden Reliquary III & IV. Hier wurden Abbildungen von Reliquienbüsten von Volker Hermes bearbeitet. Diese Büsten waren sozusagen die »Zeigekonstruktion« von Kopfreliquien, sie weisen vorne mittig (bei diesen Ansichten nicht sichtbar) kleine Glasbehälter auf, um weitere Reliquien aufzunehmen. Natürlich sind die Gesichter der Heiligendarstellungen idealisiert und die wunderbaren Schnitzereien und Fassungen zeugen von einer großen Verehrung. Hermes beeindruckte die Kraft dieser Büsten, steht doch die gestaltete Oberfläche stellvertretend für die menschlichen Relikte, die sie umhüllt. Die Seitenansichten wurden von ihm gewählt, da so der Spalt zu sehen ist, an dem sich das Reliquiar öffnen lässt. Diese profane technische Notwendigkeit wirkt bei der Darstellung eines menschlichen Kopfes wie eine brutale Verletzung. Hermes‘ Intervention zielt darauf ab, das Konstrukt, also die Hülle, das Mittel zur Zeigung von Reliquien, in den Vordergrund und vor die Identität der Heiligen zu rücken.
(Text: Volker Hermes und Elke Kania)

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2002 – Akademiebrief Kunstakademie Düsseldorf
2000 – Meisterschüler von Prof. Dieter Krieg
1995 – 2002 Kunstakademie Düsseldorf, Prof. Dieter Krieg

www.volkerhermes.de

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