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lab k

*1980 geboren in Nikosia, Zypern
lebt und arbeitet in Köln

2017 – »reflecting – Zeitbasierte Kunst aus NRW«
2017 – »reflecting 21. – Zeitbasierte Kunst aus NRW«
2015 – »aussichten – Aussichten auf die Junge Szene NRW und Belgien«

2007 – 2010 Postgraduierten Programm, Kunsthochschule für Medien (KHM)
2005 Media Arts, Slade School of Fine Art, London
2000 – 2006 Visual Arts, Academy of Fine Arts, Athens
1998 – 1999 Bildende Kunst, Burg Giebichenstein – Universität für Kunst und Design, Halle

»I want to find a story. A story in images«, »Ich möchte eine Geschichte finden. Eine Geschichte in Bildern« berichtet eine Erzählstimme, während die ersten Lichtbilder an der Wand erscheinen. Es sind Bilder, die aus der Zeit gefallen zu sein scheinen: sepiafarben, schwarz-weiß, manche Bilder sind koloriert mit kräftigem Türkis-Blau und sattem Grün, dann wieder tiefe Schwärzen, das Licht einer offenen Tür wirkt wie ein reales Licht, das durch die Wand des verdunkelten Raumes der Installation l‘histoire d’histoire d’une histoire scheint. »Fragmente der Geschichte: Nachricht von einem Schiffbruch erhält man durch Strandgut.« Die Künstlerin Marianna Christofides hat für »reflecting« einen Bilderfluss erstellt, der mehr an einen Bewusstseinsstrom erinnert als an die Bilderflut heutiger medialer Bilder. Sie hat sich einer alten Technik bedient, der Diaprojektion, die früher für Lichtbildvorträge verwendet wurde. Tatsächlich hat Marianna Christofides über viele Jahre alte Laterna-Magica-Bilder gesammelt, diese digitalisiert, stellenweise feine, irritierende Eingriffe in den Bildaufbau vorgenommen und auf 35-mm-Zelluloid übertragen. Die Installation gibt den Lichtbildern etwas von jener Magie zurück, die sie in der Zeit noch hatten, in welcher der Schriftsteller Marcel Proust in Auf der Suche nach der verlorenen Zeit seine Kindheitserinnerungen an die Lichtbilder der Laterne in Sprachbildern wiedererweckte. Das Summen der Lüftungen der Diaapparate, das rhythmische Klicken der Maschinen – dann erscheint in der Installation das Lichtbild eines Brotfruchtbaums. Die Künstlerin erinnert sich im gesprochenen Text an eine solche Pflanze, die ihr Onkel in seiner Kindheit auf Zypern in seinem Dorf gesehen hatte. »Die Frucht fühlt sich in der Erinnerung elastisch, auf Druck leicht nachgebend, an. Spielzeug ist daraus geschnitzt – Lastwagen und Tanks – hin- und hergeschoben im Schatten der großen, fingerförmigen Blätter.« Wieder folgen tiefe Schwärze, Sätze, Gedanken über die Bilder. Die Bilder, die wir sehen, zeigten den Menschen in Europa vor hundert Jahren die weite Welt, die Welt des Mittelmeers, des Orients, der Südsee, Sehnsuchtsorte. Bilder von Forschern in der Bilderreihe erwecken den Eindruck, dem Vortrag eines Ethnologen wie Claude Lévi-Strauss zu folgen. Sehnsucht nach dem Fremden, Neuen, Abenteuerlichen trieb Menschen aus Europa an, weite Reisen zu unternehmen und die Kamera mitzunehmen. Fremd sind uns heute die Motive von Palmen, Minaretten, Geysiren nicht mehr – aber fremd sind uns dennoch die Bilder, die uns die Künstlerin zeigt. Es geschieht uns nämlich etwas anderes: Wir lernen, auf uns selbst neu zu blicken.

www.mariannachristofides.com