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Ein Besuch im Kölner Zoo erweckte das Interesse der Künstlerin Fari Shams an der Geschichte von zoologischen Gärten, Lustgärten und Menagerien. Sie reicht zurück bis 6000 v.Chr., wo Menschen, Tiere und Pflanzen erstmalig gemeinsam Unterkunft fanden im persischen Garten, einem definierten quadratischen Raum, welcher in vier gleich große Teile unterteilt ist und in dessen Zentrum sich eine Wasserquelle befindet.

Die christliche Mythologie eignete sich den Begriff des ‚umschlossenen Raums‘ in Farsi (pari-daiza) an, um den Garten Eden, das Paradies, damit zu beschreiben. Das Prinzip mit dem der Natur durch eine symmetrische Unterteilung Ordnung auferlegt wird, findet sich in der Folge auch in den Gärten von Andalusien und dem Mogulreich bis hin zu den italienischen und französischen Gärten der Renaissance und versinnbildlicht das grundlegende Verlangen Räume und Objekte zu verwalten und zu optimieren.

Der gleiche Trieb steht hinter der in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts einsetzenden Sammlung, Ausstellung und Repräsentation von exotischen Tieren, welche Unterteilungen in Form von strukturalen Systemen der Organisation und Klassifizierung mit sich brachten. Etablierte Paradigmen und Methodologien finden nicht nur Einzug in die Strukturen physischer Umgebungen sondern auch in virtuelle Räume wie zum Beispiel die ‚walled gardens‘ im Internet, kuratiert und kontrolliert um die Aktivität seiner Nutzer außerhalb des Services zu minimieren und innerhalb die Transparenz ihres Verhaltens zu maximieren.

Die Geschichte der Erforschung sowie die Präsentation und Repräsentation von exotischen Tieren trägt sich fort und bringt Praktiken hervor, welche eine Genealogie virtueller Identität in wissenschaftlichen Kategorien begründet. Die in Form von Ausstellungsstücken taxonomisch arrangierten Tiere im Zoo werden von Menschen betrachtet, welche in einem vergleichbaren System repräsentiert sind zu dem sie selbst regelmäßig beitragen und was sie zu Autoren ihrer eigenen Klassifizierung macht.

Die Arbeit »Paradise in a Square« besteht aus einem Setting mit mehreren Projektionen. Ein siebzehn Minuten langer Film bringt unterschiedliche Kategorien von Bildern zusammen (von Klassifikationen exotischer Tiere, Celebrity Kultur, Computerspielen und sozialen Medien, bis hin zu „Selfies“, 3D-Modellierung und Programmierung). Selbst weitestgehend aus gefundenem Material zusammengefügt, lokalisiert der Film Wahrnehmung nicht in realen, physischen Räumen und fasst sie nicht als Erfahrung aus erster Hand, sondern vielmehr als etwas auf Reproduktionen, Kopien, Filmen und virtuellen Simulationen basierendes auf.

Ein in Wikipedia erstelltes Buch in drei Bänden versammelt und verzweigt die Recherchenotizen des Werkes und enthält zahlreiche Lesemarken, welche die alphabetisch geordneten Themengebiete der Notizen miteinander verbinden.

Auf der gegenüberliegenden Seite wird ein Rekurrentes neuronales Netz benutzt um auf Basis des als Textdatei eingegebenen Tagebuchs von David Livingstone, einem britischen Entdecker, Text zu generieren. Die Konfiguration und der Lernprozess des Algorithmus wird ebenfalls in Echtzeit wiedergegeben. Der Algorithmus ist in der Lage neuen Text im gleichen Stil des Originals zu erstellen. Das Ergebnis wird in Buchform neben dem Originaltext präsentiert.

Künstlerin
Fari Shams

Laufzeit
05.11.2021 – verlängert bis 13.03.2022