kunsthaus nrw
kornelimünster

lab k

Miriam Gossing
*1988 geboren in Siegburg

Lina Sieckmann
*1988 geboren in Engelskirchen

2017 – »reflecting – Zeitbasierte Kunst aus NRW«
2017 – »reflecting 21. – Zeitbasierte Kunst aus NRW«

2016 – 2017 Gaststudium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Rita McBride
2015 Diplom mit Auszeichnung
2009 – 2015 Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln u.a. bei Prof. Matthias Müller, Prof. Phil Collins, Prof. Beate Gütschow und Prof. Johannes Wohnseifer

Die Künstlerinnen Miriam Gossing & Lina Sieckmann betrachten in ihrem Film One Hour Real (2016) das eminent populäre Phänomen der sogenannten Escape Rooms. In Anlehnung an Spielfilme und Videospiele entstehen – ausgehend von Japan – länderübergreifend immer mehr Escape Rooms. Sie bilden verblüffend echt die stilistische Atmosphäre von Filmen des Horror, Film Noir oder generell des Genrekinos nach: sei es die Saw-Horrorfilmreihe, das Vordringen in die ägyptische Grabkammer in Mumienfilmen oder das trickreiche Knacken von Codes in Heist-Movies. In diesen detailgetreu inszenierten Settings zu zweit oder in der Gruppe eingesperrt und permanenter Kameraüberwachung ausgesetzt, gilt es, anhand von Hinweisen Rätsel zu lösen, um sich möglichst schnell aus den Räumen zu befreien. Bewusst begeben sich die Spieler somit in die physische Situation von Gefangenschaft und Überwachung, werden sie doch während der maximal 60 Minuten Spielzeit von einem Operator am Monitor beobachtet. Wortwörtlich geschieht hierbei ein Unterordnen unter Autorität und – idealerweise – ein Ausbrechen daraus. Lustvoller Thrill gestaltet sich in den Escape Rooms in realem 3D als erlebte ungeschnittene Sequenz in Echtzeit. Für One Hour Real filmten die Künstlerinnen in niederländischen Escape Rooms auf analogem 16mm-Filmmaterial, das anschließend auf HD-Video transferiert wurde. Die Körnung der Spielfilms ist diesen »Film-Bildern« ebenso eingeschrieben wie die Topoi des illusionären Unterhaltungskinos.

Im Kunsthaus NRW Kornelimünster läuft der Film installativ in einem Raum der Prälatur, der durch vier Türen und ein reiches Bildprogramm charakterisiert ist. Gossing/Sieckmann produzierten hierfür die dreiteilige Fotoserie VEIL R/Y/B. Die Fotografien zeigen auf schwarzem Untergrund abstrahiert wirkende ornamentale Formen in den Primärfarben rot, gelb und blau. Bei wacher Erkundung entschlüsseln sie sich als freigestellte Ausschnitte der bemalten Deckenlünetten, als Schleier, die die nackten, geschlechtslosen Körper der Putten umspielen. Gossing/Sieckmann schauen in den surreal anmutenden Bildern auf die Verhüllung selbst, den Vorhang, die Textur und die Oberfläche – ein Motiv, dass auch in den kinematographischen Arbeiten und Installationen der Künstlerinnen immer wieder eine prägnante Rolle einnimmt und kulturgeschichtlich eng mit dem Kino verbunden ist: der Blick auf das, was davor liegt, anstatt dahinter. Visuelle Geheimnisse erschließen sich durch genaue Betrachtung – im Escape Room wie auch in der Ausstellungsinszenierung.

www.gossing-sieckmann.com