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*1988 geboren in Wesel
lebt und arbeitet in Düsseldorf

2017 – »reflecting – Zeitbasierte Kunst aus NRW«
2017 – »reflecting 21. – Zeitbasierte Kunst aus NRW«

2019 Meisterschülerin von Dominique Gonzalez-Foerster
2015 – 2019 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Keren Cytter, Prof. Rita McBride und Prof. Dominique Gonzalez-Foerster
2012 – 2016 Studium an der Kunstakademie Münster bei Prof. Shana Moulton und Prof. Daniele Buetti

Das Video Of Princesses and Fish (2016) von Catherina Cramer beginnt im Stil gängiger YouTube-Tutorials. An einem animierten Girly-Stereotyp werden unterschiedliche Make- up-Looks vermeintlich etablierter Beauty-Maßstäbe variiert. Im geschminkten Gesicht der Frau darf Farbe herrschen, doch Betty, die Karikatur eines Alter Egos, interpretiert von der Künstlerin selbst, benennt die konservative Grundhaltung: »Reinheit und Geschmack ist Ihre Freiheit!«.

In den entworfenen Environments, die zwischen Künstleratelier, Werbe-Shooting-Set und Animation in glatter Tumblr-Ästhetik changieren, ist Arbeit als Workout angelegt. Maskierte Figuren hinterfragen die heutige Suche – zwischen modischen Nagellacken und schmelzenden Polen – nach Motivation und Inspiration. Alles ist Plastik, das versteht sich natürlich doppeldeutig: Die slicken Oberflächen und die unzähligen Artefakte sind allesamt in Handarbeit gefertigt und zu Plastiken gebildet worden, in steter Hinterfragung ihrer ästhetischen »Notwendigkeit«. In diesen Settings agiert Cramer, die auch als Performance-Künstlerin aktiv ist, als lächelnd-proaktive Betty im knappen Outfit und mit alberner Mütze. Fast scheint das Video als eine Art Versuchsanordnung den Akt künstlerischer Produktion im Zeitalter sozialer Medien zu betrachten: »Könnten Sie bitte die Schönheit an sich erschaffen?« Nur ja nicht zu bunt, herrscht doch in der Kunstkritik eine Tendenz zur »Chromophobie«, zu einer Abwertung von Farbigkeit, auf die die Künstlerin mit einem grellen Mix in feinster Trash-Manier reagiert.

Die Alltagswirklichkeit einer jungen Generation zwischen normativer Vorstellung und Verunsicherung in Hinblick auf Körper, Gender und Lebensorientierung spiegelt sich in den Arrangements wider. In einer Szene des Videos »einverleibt« sich die Künstlerin ein von ihr gefertigtes »Passstück«, den Abguss ihres Bauchnabels in Kunstharz. Die plastische Erweiterung des menschlichen Körpers kann als benutzbares Objekt gewertet werden, doch ebenso als Link zur Subkultur der sogenannten Nullo Body Modification, einer Veränderung des eigenen Körpers hin zur Asexualität bzw. zur Vermeidung einer Identifikation durch Körpermerkmale. Cramers Video führt vor Augen, wie ambivalent Interpretationen inmitten der vielfältigen Debatten zu Geschlechtlichkeiten, Hautfarben und nicht zuletzt auch zur Rolle von Künstler*innen sein können.

Im Kunsthaus NRW Kornelimünster sitzt man auf zwei niedrigen Sesseln derselben Farbgebung, stets auf Augenhöhe mit Of Princesses and Fish. Der großformatige Monitor ist hier flankiert von zwei gedrechselten Buchsbäumchen. Im Sinne des Expanded Cinema verlängert sich die Künstlichkeit der Videobilder auch in die Inszenierung im Ausstellungsraum.

Catherina Cramer erschafft Modell-Situationen, in denen sie sich bewegt, und zeitgemäße »Role Models«, die mit den Klischees des Künstlers im Atelier vermengt sind – schreiend bunt, humorvoll und pointiert.

www.instagram.com/cramercatherina